Ein Blick auf die Natur der Aeolischen Inseln
Betrachtet man alle Inseln Italiens, so sieht man, dass die Aeolischen Inseln eine aussergewöhnliche ökologische, landschaftliche und naturalistische Vielfalt besitzen. Ihr relativ junger Ursprung und der Mensch, welcher sich Ende des 10. Jahrhunderts v.C. hier angesiedelt hat, haben die Struktur der pflanzlichen und biologischen Gemeinschaft des Gebiets stark beeinflusst.

Trotz des jungen geologischen Alters der Inseln - die ältesten werden auf fünf bis sechshunderttausend Jahre geschätzt - beherbergt der Archipel eine bescheidene Anzahl von einheimischen Pflanzen und Tieren. Ihre Weiterentwicklung ist geprägt durch die Isolierung und die katastrophalen vulkanischen Aktivitäten. Möglicherweise entstand diese Vielfalt gerade durch diese Mechanismen, welche die Entwicklung noch beschleunigten. Auf drei der Inseln, Vulcano, Stromboli und Alicudi - welche nicht gerade nahe beieinander liegen - findet man die CYTISUS AEOLICUS,welcher in früheren Zeiten, möglicherweise auch auf den anderen Inseln ansässig war. Dies belegen die fossilen Blätter welche man in "Timpone Pataso" auf der Westseite Liparis gefunden hat und ca. 100.000 Jahre alt sind. Von dieser Pflanze und ihrer Tugend als Futterpflanze sprach bereits Teofrasto, welcher sie "Colutea" oder "Colitia" von Lipari nannte. Jahrhunderte in Vergessenheit geraten, wurde sie 1828 durch den Botaniker Giovanni Gussone wieder entdeckt. Er teilte den Wissenschaftler der Welt mit, er habe einen Riesen Cztius von acht bis neuen Metern Höhe auf der Insel Lipari gefunden. Bis anhin kannte man die Pflanze und ihre Verwandten nur in Strauchgrösse. Diese Nachricht machte so viel Aufsehen, dass innerhalb weniger Jahre die Samen der Pflanze in den entferntesten botanischen Gärten Europas ankamen. Lindley, ein englischer Naturwissenschaftler veröffentlichte die erste Ikonographie über die "neue" Art in einem wissenschaftlichen Magazin in England. Schon zu dieser Zeit war die Pflanze sehr selten da sie vom Menschen stark ausgenutzt wurde. Sie diente als Feuerholz und zur Herstellung von landwirtschaftlichen Werkzeugen. Die Wälder wurden gerodet um landwirtschaftlich nutzbare Fläche zu schaffen. Die Inseln waren zu dieser Zeit stärker besiedelt als heute und zählten ca. 20.000 Einwohner, heute sind es nur ca. 12.000. Der Cytius und viele andere Pflanzen und Tiere sind heute vom Aussterben bedroht. Der Cytius wurde von der EU in die Prioritätsliste der Richtlinien Habitat aufgenommen und sollte uns so erhalten bleiben.

Auch im Falle der wilden Nelke von Panarea "Silene hicesiae" verhält es sich nicht viel anders. Sie gehört zur Familie der "Cario fillacee" und wächst heute auf den nordwestlichen Felsen der Insel. Sie wurde in den 80-er Jahren des 20. Jahrhunderts vom Botaniker Salvatore Brullo entdeckt. Trotz ihrer auffallenden Blüte und den bis zu einem Meter hoch werdenden Blättern war sie den Wissenschaftlern, welche Panarea und Alicudi besuchten, unbekannt. Erst vor kurzer Zeit wurde sie auf Alicudi entdeckt. Die wilde Nelke und der Cytius zusammen zählen heute eine Population von 500 - 600 und somit stellen auch sie eine vom Aussterben bedrohte Art dar. Weniger rar ist die einheimische Ginestra "Ginestra tyrrhena". In ihrer mäjestetischen Grösse besiedelt sie sehr trockene und unstabile Hänge der Krater von Vulcano und Stromboli. Auch die Wälder des Archipels bestehen grösstenteils aus dieser Pflanze. Die Fiordaliso delle Eolie "Centaurea aeolica" schmückt Wegränder, Küsten und herausragende Felsen und bestimmt teils das Vegetationsbild wie dies rund um das Observatorium von Punta Labronzo auf den Hängen von Stromboli der Fall ist.

Seinerzeit wurde die Pflanze sehr stark kultiviert und heute sind die verlassenen Terrassen-Felder gutes Beispiel dafür, dass wenn die spontane Vegetation unangetastet bleibt, sie sich in kurzer Zeit neuansiedelt. Auf den Gipfeln der Inseln findet man dichte und grosse Flächen von Corbetto "Arbutus unedo" und von Erika "Erica arborea". Vielerorts sind sie von Kastanienbäumen "Castanea sativa" umgeben. Die Enforbia Arborescente "Euphorbia dendroides"kann man in Salina in Monte Fossa dei Felci auf der wenig feuchten Südseite antreffen. Vom Frühling bis zum Sommer wechselt sie immer wieder ihre Farben; von gelb-grün in der Blütezeit zu feuerrot gegen Ende der Blütezeit und nackt während den Hitzemonaten. Anemonen "Anemone hortensis" und wilde Orchideen findet man anfangs Frühling auf den Wiesen und Feldern.

Auch die Fauna bildet einen wichtigen Teil im Arichipel. Zwar gibt es nur wenige Arten von Säugetieren und Reptilien, jedoch interessante, wie zum Beispiel die einheimische Eidechse, die auf den kleinen Nebeninseln anzutreffen ist. Die aeolischen Inseln sind das Reich der Vögel. Nebst vielen verschiedenen Arten gibt es die Magnanina "Sylvia undata" die leider vielerorts schon rar geworden ist, hier aber auf Salina, Panarea und Filicudi in grösseren Kolonien anzutreffen ist. Der Königsfalke "Falco eleonorae" ist der einzige Falke, welcher in Kolonien lebt. Er kehrt jedes Jahr nach seiner langen Reise von Madagaskar auf unsere Inseln zurück. Der Königsrabe "Corvus corax" ist auf dem ganzen Archipel sehr verbreitet. Es ist ein wunderschönes Erlebnis, im Frühjahr und im Herbst den Schwärmen von Vögeln bei ihren Kunstflügen - die Winde nutzend - zuzuschauen.
Zur Erhaltung und zum Schutz des Reichtums dieser Natur sind Teile Alicudis, Filicudis, Panareas und Strombolis unter Naturschutz gestellt worden. Die Aufsicht über diese Gebiete hat die Azienda Foreste Demeniali der Region Sizilien. Das Gebiet Salinas wurde als erstes unter Schutz gestellt und wird beaufsichtigt von der Gemeinde Messina. Weitere Gebiete wie Teile des Meeres sollten ebenfalls unter Schutz gestellt werden, was einen weiteren Schritt in Richtung vollständiger Schutz des ganzen Archipels darstellen würde.
Pietro Lo Cascio
Associazione Nesos





